Dienstag, 10. August 2010

Es gibt wieder einiges Neues zu berichten.

Zuerst: Der 12-jährige Ganesh hat sich gemeldet. Er arbeitet hier in Pune in einem Hotel als Küchenhilfe. Ganesh hat seinen Onkel angerufen und gesagt dass es ihm gut geht, allerdings nicht verraten, wo genau das Hotel ist, in dem er arbeitet. Er möchte nicht aus Pune weg, hat Kost und Logis im Hotel frei, was ihm gefällt. Das Essen wäre sehr gut und reichlich, ausserdem gäbe es Eiskrem. Von zu Hause ist er ein wirklich ärmliches Leben gewöhnt, weshalb ich verstehen kann, dass er den Luxus der Süßigkeiten und des guten Essens nicht aufgeben will . Nichts desto trotz kann er nicht in Pune bleiben, da er noch minderjährig ist und zur Schule muss. Wir haben die Polizei verständigt ihn zu suchen, doch diese machen keine Anstalten aktiv zu werden.
Unser Plan ist nun also seinen ehemaligen Lehrer einzuschalten, zu dem er Vertrauen hat. Er soll Ganesh anrufen und etwas mit ihm plaudern. Unsere Hoffnung ist, dass der Junge ihm verrät wo er sich aufhält. Sobald wir das wissen, wird seine Familie ihn abholen. Sein Onkel möchte ihn bei sich aufnehmen. Er würde dann in die dortige Dorfschule gehen und an den Wochenenden bei Pfarrer Ajay und seiner Familie sein. Dort wird für ihn mit gekocht, seine Hausaufgaben kontrolliert und der Pfarrer wird ihn, als Anreiz für Ganesh zurück zu kommen, ab und an mit nach Pune nehmen und sie werden Dinge mit ihm unternehmen, von denen der 12-jährige träumt (Kino, Eis essen gehen, etc).
Ich werde berichten, sobald er bei seinem Onkel angekommen ist.

Sonu, sein kleiner Bruder, wohnt nun seit ein paar Wochen bei seinem Onkel und geht seit vergangener Woche dort im Dorf zur Schule. Wir haben einen Bluttest bei ihm machen lassen- er ist HIV negativ! Am Mittwoch wird er, zusammen mit Pfarrer Ajay, nach Pune kommen und wir werden ihm eine Schulausrüstung und neue Kleidung kaufen fahren.

Vor 2 Wochen waren Sonali (25 Jahre) und Ganesh Darade (34), zwei Leute, die regelmässig zu unseren HIV-Treffen in Daund kommen, in Pune zum ärztlichen Check up.
Ganesh Darade hat seine Tuberkulose nach 3 Monaten nun überwunden und hat jetzt eine antiretrovirale Therapie begonnen, um seine HIV Infektion unter Kontrolle zu halten. Seine Tochter hat sich jetzt in der Regenzeit allerdings mit Malaria infiziert. Wir werden ihr die Medikamente zahlen, so dass sie bald wieder gesund ist.
Sonali ging es nicht besonders gut, sie war so schwach dass sie nicht alleine gehen konnte. Ich habe mich erschrocken als ich sie sah, sie hat im Vergleich zum letzten Mal wo ich sie sah sehr abgenommen, die Haare sind grau geworden und fallen ihr aus. Sie wurde direkt ins Krankenhaus überwiesen, wo sie Aufbaupräparate bekam. Mittlerweile hat sie sich etwas erholt, und wird von ihrem Bruder versorgt, ich werde sie Mittwoch einmal besuchen fahren.


Ganesh Darade mit seiner Frau und seinem Sohn



Sonali (rechts) mit ihrer Mama bei einem unserer HIV-Treffen


Vergangenen Samstag habe ich zusammen mit Alice und Pfarrer Ajay eine weitere Familie besucht, die an unserem HIV Projekt teilnimmt. Rama und seine Frau Sushma sind beide HIV positiv. Er arbeitet als LKW-Fahrer, seine Frau ganztags als Putzfrau. Ihr geht es noch sehr gut, ihre Blutwerte sind in Ordnung und sie muss, im Gegensatz zu Rama, noch keine antiretrovirale Therapie machen. Sie leben in bescheidenen Verhältnissen, zu siebt in einem Raum, die Kinder schlafen auf dem Boden. Kommende Woche bringen wir ihnen eine Matratze für die Kids vorbei.
Die beiden Jungs Mahesh und Ravindra (9 und 10 Jahre) gehen zur Schule, kommen aber nicht gut mit. Da beide Eltern ganztags arbeiten und auch selbst keine gute Schulbildung haben, können sie ihren Jungs nicht bei den Hausaufgaben helfen, weshalb wir ihnen ab jetzt eine Hausaufgabenbetreuung bezahlen werden.

Rama und Sushma mit ihren beiden Jungs, der kleinen Prachi und Ramas Mutter (im Hintergrund Pfarrer Ajay)

Als wir die Familie besuchten und gerade bei einem Tee über die Situation zu Hause sprachen, kam ein kleines Mädchen ins Haus gelaufen. Wir waren alle sehr verwundert, weil wir nie von ihr gehört hatten. Rama sagte, dass dies seine Tochter Prachi (8 Jahre) sei. Als wir fragten wie sie in der Schule mitkommt, erzählte uns Rama, dass sie gar nicht in die Schule gehe. Die Begründung hierfür hat uns absolut sprachlos gemacht:
Rama und Sushma waren vor 7 Jahren unterwegs nach Pune, als ihnen auf dem Hauptbahnhof von Pune ein ca. einjähriges, weinendes, unterernährtes und verdrecktes Mädchen entgegenkam. Sie hoben sie auf und verbrachten Stunden damit jeden zu fragen wo die Mutter sei. Niemand kannte das Kind, nirgendwo war ein Erwachsener zu finden, der zu dem Mädchen gehörte. Sie war ausgesetzt worden, wie das oft mit kleinen Mädchen in Indien geschieht. So beschlossen Rama und seine Frau, die Kleine zu sich zu nehmen und sich um sie zu kümmern. Eine unglaubliche Geste, wenn man bedenkt, dass sie selbst nicht viel haben und ein Mädchen einen unglaublichen Kostenfaktor darstellt- später muss man, um sie zu verheiraten, eine große Mitgift geben..
Da Prachi natürlich keine Geburtsurkunde hat, konnte sie an keiner Schule angemeldet werden. Würden sie versuchen sie einzuschulen, würde offiziell, dass sie ein Waisenkind ist. Prachi müsste dann in ein Waisenhaus und dürfte nicht bei ihrer Familie bleiben.
Pfarrer Ajay hatte nun den rettenden Einfall: Prachi wird kommenden Sonntag von ihm getauft, dann hat sie eine offizielle Taufurkunde mit Rama und Sushma als eingetragene Eltern. Hiermit geht er dann zur Behörde und beantragt eine Geburtsurkunde. Sobald er diese dann hat, wird auch Prachi eingeschult werden.

Prachi, 8 Jahre alt

Zum Ende unseres Besuchs in Daund sind wir dieses Mal noch schnell an unserer Schule vorbei gefahren und haben neue Hefte vorbei gebracht. Mittlerweile besuchen 110 Kinder unsere Schule, da wird einiges an Heften und Stiften gebraucht.

Ihr seht, es ist also wieder einiges zu tun hier. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es mit dem Jungen Ganesh weiter geht, was wir bei Prachi erreichen und wie es Sonali und Ganesh Darades Tochter geht.

Für Spenden bin ich immer dankbar, wir haben nun wieder 3 Kinder mehr, denen wir deren Ausbildung gerne sichern möchten.

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