Donnerstag, 9. Dezember 2010

Aus familiären Gründen hat's dieses Mal lange gedauert, bis ich dazu kam diesen Post zu verfassen, Entschuldigung.

Vor 5 Wochen, Anfang November, haben uns Irene und Simone, zwei Freundinnen aus München, nach Daund begleitet.
Dieses Mal haben wir in Daund bei Pfarrer Ajay übernachtet, so dass wir zwei volle Tage zur Verfügung hatten, um uns um unser Projekt zu kümmern.
Der Pfarrer und seine Frau freuten sich sehr uns zu sehen und haben uns mit einem lieben Plakat und frischen Blumen empfangen.


Nachdem sich also bei einem gewohnt leckeren Frühstück Irene und Simone mit Alice, Soni, Pfarrer Ajay und seiner Familie bekannt gemacht hatten, ging es los.
Zuerst besuchten wir den kleinen Sonu, um zu schauen wie es ihm geht und ein paar Süßigkeiten vorbei zu bringen. Er hat sich in seiner neuen Familie gut eingelebt und kommt gut in der Schule mit. Von seinem Bruder Ganesh fehlt leider noch immer jede Spur. Er hat sich weder bei uns, noch bei seiner Familie gemeldet. Wir geben aber nicht auf und hoffen, dass wir ihn eines Tages doch noch finden. Pfarrer Ajay wird außerdem weiterhin wie gewohnt alle zwei Wochen bei Sonu vorbei schauen, um sicher zu gehen, dass es ihm an nichts fehlt und er gut versorgt ist.

Sonu und Irene

Auf dem 1 1/2 stündigen Rückweg von Sonus Familie nach Daund machten wir einen kleinen Umweg an Alka Punekars Haus vorbei. Wie schon in einem früheren Post berichtet, lebt Alka mit ihren beiden Kindern bei ihren Eltern in der Hütte. Diese versorgen sie und ihre Kinder mit, da Alka auf Grund ihrer Aidserkrankung keine Feldarbeit mehr verrichten kann. Ich habe mich ehrlich gesagt ziemlich erschrocken sie zu sehen. Als wir ankamen lag sie in der Hütte ihrer Eltern, da es ihr nicht gut ging. Ihr CD4- Wert lag bei 122 und sie war noch dünner und kraftloser als vor ein paar Wochen, wo ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Wir sprachen bei diesem Besuch nicht mehr über die medikamentöse Behandlung ihrer Erkrankung sondern darüber, wie wir die Kinder nach ihrem Tod unterstützen und wie sie versorgt sein werden. Ich empfand es als ganz schlimm so absolut hilflos mit ansehen zu müssen wie Alka ihre Familie demnächst verlassen wird und man keine Chance mehr hat, der Krankheit die Stirn zu bieten. Seit dem Tag besteht unsere Hilfe nun daraus, ihr schmerzstillende Medikamente und nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern auch energiereiche Nahrung zukommen zu lassen. Die Betreuung ihrer zwei Kinder werden wir übernehmen, sobald der Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Alka und ihre Familie vor der Hütte der Eltern

Am Abend saßen Alice, Soni, Rachel, Ajay, Simone, Irene und ich dann nach dem gemeinsamen Abendessen noch lange zusammen und sprachen über die Familien, die wir betreuen, unsere Schule und andere Dinge, die wir in Zukunft anpacken wollen. Es war ein Gespräch, das manchmal zum Nachdenken und manchmal zum Lachen anregte, aber auf jeden Fall eines, in dem wir alle vom jeweils Anderen viel über das Leben in Indien, die indische Kultur, die Unterschiede zur deutschen Kultur und Denkweise und viele andere Dinge gelernt haben.

Der nächste Tag begann damit, dass wir uns auf den Weg machten, in Daund 3 Nähmaschinen zu erstehen. Die Idee ist, dass die Mädchen, die unsere Schule nach der 10. Klasse verlassen, die Möglichkeit bekommen, bei uns eine Schneiderausbildung zu machen. So sind sie später unabhängiger und können für sich und ihre Familie ein Einkommen erzielen. Außerdem sollen die Maschinen allen Frauen aus Daund einige Stunden am Tag kostenlos zur Verfügung gestellt werden, damit sie sich durchs Nähen etwas Geld verdienen können.
Nach langem Feilschen und Verhandeln erstanden wir zwei 'Luxmi'- und eine 'Novel'-Maschine samt Tischen und Scheren, die künftig in Pfarrer Ajays Wohnung im Zimmer neben dem Büro, stehen werden. Nun läuft die Suche nach einer geeigneten Lehrerin auf Hochtouren, damit die Schneiderlehre begonnen werden kann.

Vielen Dank an Katrin und ganz besonders Andreas, die uns den Kauf dieser Maschinen ermöglichten!

Am Nachmittag besuchten wir Mangel, der es Gott sein Dank gut ging und die wie gewohnt trotz ihrer Situation ihre Fröhlichkeit nicht verloren hat. Die Feldarbeit hat nun nach dem Monsun wieder begonnen und sie geht wie gewohnt wieder täglich aufs Feld. Wir saßen eine Weile bei ihr und unterhielten uns im Schein einer Ölkerze. Einen Stromanschluß hat Mangel nicht, da sie auf Grund ihrer Erkrankung ausgegrenzt und gemieden wird und ihr niemand einen legen möchte. Außerdem könnte sie die monatlich fälligen Rechnungen wahrscheinlich regelmäßig gar nicht bezahlen.
Da an diesem Tag 'Diwali', das Fest der Lichter und gleichzeitig einer der höchsten Feiertage des Landes war, hatten wir ihr einen neuen Sari und etwas Süßes mitgebracht, worüber sie sich sehr freute.

Zusammen in Mangels Haus



Irene und Simone beim 'Diwali-Geschenke-Kauf'


Weiter ging es zu Sonalis Eltern. Sonali war ja, wie ich im Oktober schrieb, mit 25 Jahren an Aids gestorben und wir wollten ihren Eltern kondolieren.
Neben ihren Eltern waren auch Sonalis Bruder, der sie während ihrer Krankheit so aufopferungsvoll gepflegt hat, ihre Schwester, die Schwägerin und Sonalis Nichten und Neffen im Haus. Alle waren noch immer tief traurig und die Lücke, die Sonali hinterlassen hat, war deutlich zu spüren.
Sonalis Eltern sind finanziell versorgt, so dass hier unsere Hilfe für die Familie endet und uns wir statt ihnen um eine neue Familie kümmern können und werden.

Vielen Dank noch einmal allen, die uns und unsere Arbeit unterstützen.
Ich bin zwar seit Kurzem wieder in Deutschland und werde nun auch vorerst hier wohnen bleiben, doch unser Projekt wird trotzdem natürlich fortgeführt werden. Alice, Pfarrer Ajay und Rachel kümmern sich weiterhin um die Familien, die Schule und die Schneiderei und werden regelmäßig Bericht erstatten und Fotos senden, ich werde sie dann nächstes Jahr für einige Zeit besuchen.

Natürlich werde ich auch in Zukunft hier im Blog weiter berichten was in Daund passiert, was wir erreichen und wie euer Geld verwendet wird.
Bis also in vier Wochen dann!


Alice, Rachel, Pradip, Soni, Simone und Irene im Slum von Daund

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